Auf dem Weg in den Pflegenotstand - Westfalenpost
29. Juli 2011
Schon heute gibt es im HSK mehr offene Stellen als qualifizierte Bewerber / Bis zu 1600 zusätzliche Fachkräfte nötig
von Oliver Eickhoff
Meschede. Schon heute können nicht mehr alle offenen Stellen besetzt werden: Dem Hochsauerlandkreis droht ein Fachkräftemangel in der Pflege. Politik und Agentur für Arbeit suchen nach Lösungen. Ein Patentrezept haben sie nicht.
Rund 2200 Beschäftigte sind zurzeit im Hochsauerlandkreis als Pflegekräfte tätig. Modellrechnungen zeigen, dass der Bedarf bis zum Jahr 2030 auf 3100 bis 3800 steigen könnte - unter heutigen Bedingungen wird es aber gar nicht so viele Arbeitnehmer in der Branche geben. "In den nächsten Jahren muss auf allen Ebenen daran gearbeitet werden, dass wir diese Zahlen erreichen", sagt Cornelia Homfeldt, Beauftragte für Chancengleichheit bei der Agentur für Arbeit in Meschede.
Erste Ansätze gibt es: So hat die Agentur für Arbeit damit begonnen, Arbeitslose zu Altenpflegehelfern umzuschulen. Reichen wird das nicht: Die Zahl sei nicht mal dreistellig und der finanzielle Aufwand sei hoch, berichtet Walter Niggemeier, der Vorsitzende der heimischen Agentur für Arbeit. Cornelia Homfeldt fordert daher: "Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe muss sich deutlich erhöhen." Bislang bilden das Esta-Bildungswerk in Olsberg, der Caritasverband in Arnsberg und das DRK in Meschede die Fachkräfte im Hochsauerlandkreis aus. Sie könnten künftig nicht die einzigen Institutionen sein. So berichtete der CDU-Landtagsabgeordnete Hubert Kleff von Plänen aus der Politik:
- Krankenpfleger und Altenpfleger könnten künftig zwei Jahre gemeinsam ausgebildet werden und erst im dritten Jahr fachlich getrennt werden
- Kleff selbst hält eine duale Ausbildung wie in anderen Berufen für sinnvoll, also den Mix aus Betrieb und Schule
- Der Abgeordnete hält es für unumgänglich, dass geringer Qualifizierte die examinierten Kräfte entlasten
"Nehmen wir nur einmal die Demenzbetreuung: In der Tagesstruktur, wenn es darum geht, sich mit den Menschen zu beschäftigen und sie nicht zu pflegen, könnten beispielsweise auch eine gelernte Friseurin oder andere Quereinsteiger eingestellt werden", so Kleff. Auch bei der Büroarbeit und -dokumentation stelle sich die Frage, ob hier Fachkräfte eingesetzt werden müssten. Der Abgeordnete möchte "keine Abwertung des Pflegeberufs", er meint aber: "Wir werden gezwungen werden, uns darüber Gedanken zu machen." Der größte "Pflegedienst" sei zudem die Familie, da sei auch oftmals nur für ein bis zwei Stunden täglich eine Fachkraft im Haus.
Die Agentur für Arbeit hat bereits Gespräche mit Arbeitgebern geführt und Hilfskräfte an Einrichtungen vermittelt, etwa für die Essensausgabe. Der gesetzliche Mindestlohn gelte hier mit 8,50 Euro.
Wie groß der Fachkräftemangel wirklich ausfallen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, vor allem vom medizinischen Fortschritt und der Bereitschaft von Familien, ihre Angehörigen zu pflegen. Mit Stand von heute sieht es so aus: Auf 21 offene Stellen kommen 7 qualifizierte Arbeitslose im HSK.